„Was bleibet aber, stiften die Dichter.“

Heute jährt sich der Todestag von Friedrich Hölderlin (20.03.1770 – 07.06.1843)

 

Geboren in Lauffen am Neckar und aufgewachsen in Nürtingen, studierte Friedrich in Tübingen Theologie und bildete dort eine Wohngemeinschaft mit seinen Namensvettern Hegel und Schelling, deren Verbindung als die Keimzelle des deutschen Idealismus in die Geschichte eingehen sollte. Hölderlin aber lebte für die Dichtkunst und drückte sich um die ihm vorgesehene Stelle als Pfarrer. Er versuchte in Jena Philosophie zu studieren und machte im dortigen Umkreis Bekanntschaft mit Fichte, Goethe, dem von ihm verehrten Schiller und Novalis.

 

Bei einer Anstellung als Hauslehrer verliebte er sich unglücklich in die verheiratete Susette Gontard, deren Begegnung zum Schlüsselmoment Hölderlins wurde. Über weitere Anstellungen als Hauslehrer gelangte er bis nach Bordeaux, immer wandernd und zu Fuß, immer rastlos und getrieben. 1802 wurde er schließlich verwahrlost und verwirrt in Nürtingen aufgegriffen, nachdem ihn wohl schon in Frankreich die Nachricht vom Tode Susettes erreicht hatte.

 

Gegen seinen Willen wurde Friedrich wegen Raserei und Hypochondrie 1806 ins Universitätsklinikum in Tübingen eingeliefert und wahrscheinlich mit Quecksilber behandelt. Die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte er – gespielt oder nicht – geistig verwirrt im heutigen Hölderlinturm, in sich selbst zurückgezogen, wo er weitere Gedichte verfasste, oft unter Pseudonymen wie Scardanelli, und Besucher zu ihm pilgerten, da sein Ruhm sich allmählich zu mehren begann.

 

War er zu seiner Zeit einer der unverstandendsten und glücklosesten Poeten, der ständig unter Geldsorgen und fehlender Anerkennung litt, gilt Johann Christian Friedrich Hölderlin heute als einer der herausragendsten Dichter deutscher Sprache.

 

 

HÄLFTE DES LEBENS

 

Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.

 

Weh mir, wo nehm ich, wenn

Es Winter ist, die Blumen, und wo

Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn

Sprachlos und kalt, im Winde

Klirren die Fahnen.