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...liest gerade "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

Johannes ist stumm. Er folgt darin seiner Mutter, der es durch schwere Schicksalsschläge die Sprache verschlagen hat. In der Schule wird er verlacht, Freunde hat er keine, nur eine intensive Beziehung zu seinem Vater und ein beinah schon symbiotisches Verhältnis zu seiner Mutter. Er ist anders, ein Außenseiter, ein Idiot.

 

Doch Johannes hat eine Begabung. Er spielt Klavier wie nur wenige. Es ist die Kraft der Musik, die die Familie aus ihrer Schockstarre nach dem Zweiten Weltkrieg rettet. Und schließlich lernt er auch noch sprechen, lernt durch genaues Beobachten der Natur schreiben und lesen. Nach der Schule zieht es ihn nach Rom und alles, was früher so schwer erschien, ist plötzlich ganz einfach. La dolce vita. Er studiert am altehrwürdigen Konservatorium und seiner Zukunft als gefeierter Pianist steht nichts mehr im Wege...oder doch?

 

Drei Jahrzehnte später kehrt er zurück nach Rom, an den Ort seines Schreckens, und schreibt die Geschichte seiner Kindheit und Jugend nieder. Aus den Puzzleteilen seiner Erinnerungen, entfacht durch das Klavierspiel der Nachbarstochter, erfindet er sein Leben neu.

 

Ortheil hat hier einen größtenteils biographischen Roman geschrieben, in dem sich alles um die Frage dreht, wie man sich durch Sprache die Welt erschließen kann. Es geht um die Nachkriegsjahre eines zerbombten Landes, um Sprachlosigkeit und Selbstfindung. Die Geschichte ist Entwicklungs- und Künstlerroman zugleich, eine Erzählung über Sprache, Kunst und darüber, was es heißt, anders zu sein.

 

 

Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens

Roman

gebunden, 592 Seiten

Luchterhand, Stuttgart 2009