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...liest gerade "Baron Wenckheims Rückkehr" von László Krasznahorkai

Was für ein imposanter Roman!

 

Eine kleine Stadt in Ungarn, verschlafen, heruntergekommen. Plötzlich macht ein Gerücht die Runde. Der greise Baron Wenckheim ist auf dem Heimweg, um seine alte Liebe Marika wiederzufinden und sich an seinem Geburtstort niederzulassen. Das Dorf steht Kopf. Die Bürger räumen die Straßen von Obdachlosen und werfen die Waisenkinder aus dem verfallenen Schloss. Sie erwarten den Heiland, einen Führer, der das marode Dorf wieder zu Ehren bringt, doch als der schüchterne Baron aus dem Zug tritt, trauen sie ihren Augen nicht. Seine Rückkehr entzündet einen Funken, der rasch um sich greift und die Stadt verbrennen wird.

 

Eines vorweg: Die Lektüre ist anstrengend und gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich auf die kapitellangen Sätze einlässt, erhält man ein außerordentliches Lektüreerlebnis. In diesem Roman gibt es keinen Erzähler. Die Bürger der Stadt sind die Träger der Geschichte, vorangetrieben durch Dialoge, indirekte Rede und innere Monologe. Ständig springt die Perspektive von einem Bewohner auf den anderen über, so dass ein einzigartiges Geflecht vieler verschiedener Stimmen und Schicksale entsteht.

 

László Krasznahorkai hat nicht nur eine Liebesgeschichte geschrieben, sondern auch ein gesellschaftliches Panorama unserer heutigen Zeit. In jedem Satz schwingt die Kritik an den Umständen des heutigen Ungarns mit, aber auch an der allgemeinen Sensationsgeilheit der Menschen. Nicht umsonst erinnert das Aufheben um den Baron an "Der Besuch der alten Dame".

 

"Baron Wenckheims Rückkehr" ist ein stimmgewaltiges Werk, verrückt, durchgeknallt und absolut einmalig! Unbedingt lesen!

 

 

 

László Krasznahorkai: Baron Wenckheims Rückkehr

Roman, übersetzt aus dem Ungarischen von Christina Viragh

gebunden, 496 Seiten

Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2018