Sofort sticht der Erzähler ins Auge, dieser wunderbare, rotzige Ton, in dem das Kulturprojekt...na, besser das Unterhaltungsprojekt
Polyphon Pervers beschrieben wird. Angefangen hatte es mit zwei Freundinnen, die aus einer Weinlaune heraus einen Verein gründeten, der auf Unterhaltung abzielen sollte. Unterhaltung, nicht
Kunst, bitte! Obwohl sie Theaterstücke produzieren wollten. Mit nichts in den Taschen stapeln sie bei der Suche nach Sponsorings und staatlichen Unterstützungen sehr hoch und scheinen einer
Glückssträhne verfallen. Wer möchte nicht ein wenig Kultur… – Entschuldigung, Unterhaltung sponsern, um gut dazustehen, besonders wenn das Projekt immer besser und erfolgreicher läuft? Bald
schon mischen sie die ganze Schweiz mit ihren Performances auf und sind ein fester Bestandteil der Kunst... – äh der Unterhaltungsszene. Wie im klassischen Drama ist die Fallhöhe jedoch
immens. Denn nicht alles läuft nach den gängigen Regeln ab.
Was für ein großer Spaß! Ein Schelmenroman, der lange im Gedächtnis bleiben wird und den gesamten Kunst- und Kulturmarkt auf die
Schippe nimmt. Geistreich, witzig und so komisch, dass ich Tränen gelacht habe. Eine wirklich großartige Satire, die die Frage nach der Kunst genauso stellt, wie die nach dem Geld, nach
Sponsoring, Marketingprozessen und der immer weiter ausufernden „Merchisierung“ von Kunst...oder Kultur...ja oder eben Unterhaltung.
Ein ganze große Leseempfehlung!
Der Roman wurde aus dem Luzerndeutschen von Uwe Dethier übersetzt und stand sowohl 2024 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises als
auch 2025 auf der Hotlist.
Béla Rothenbühler: Polyphon Pervers
Roman, aus dem Luzerndeutschen übersetzt von Uwe Dethier
Broschur, 212 Seiten
Verlag Volant & Quist, 2025
