So wohnen wir nicht nur dem fiebernden Christian Dietrich Grabbe auf seinem Sterbebett oder dem Stimmen hörenden Jakob Picard im Altenheim bei, sondern auch dem rastlosen Wilhelm Waiblinger, der zarten Dichterseele Johann Christoph Heinrich Hölty und dem bereits toten Hans Bernhard Schiff, die auf ihr Leben zurückblicken.
Unterscheiden sich die Dichter auch in ihrem Temperament, eint sie doch die Unbedingtheit des Wortes, dieser immerwährende Drang zu schreiben und sich künstlerisch auszurücken, dem sie alles andere in ihrem oft zerrissenen Leben untergeordnet haben.
Mylow nähert sich den Lebenswegen der Dichter und ihren Werken in einem jeweils anderen Ton und Stil an und erweckt so fünf Künstlerbiografien zum Leben, die nicht nur informativ und spannend zu lesen sind, sodass man sich noch einmal mit den Schriftstellern zu beschäftigen wünscht, sondern die ebenso von Poesie und Liebe zum geschriebenen Wort zeugen. Dazu finden sich mehrere Illustrationen von Walter Rockenbauch im Buch, die den schmalen Band zu etwas ganz Besonderem machen.
Gespannt warte ich nun auf den zweiten Teil, in dem besonders vergessene Dichterinnen in den Fokus gerückt werden.
Daniel Mylow: Das Weiß zerrissenen Papiers
Erzählungen, mit Illustrationen von Walter Rockenbauch
Hardcover, 88 Seiten
Edition Hibana, 2025
